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Trauer und Lebensfreude

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Verarbeiten Sie die Auswirkungen Ihrer Familiengeheimnisse auf Ihre Persönlichkeit !

"Das Geheimnis verhält sich nicht gegensätzlich zur Wahrheit, sondern zur Kommunikation"

Serge Tisseron

Für die Definition des Familiengeheimnisses berufe ich mich auf die Ausführungen von Serge Tisseron in seinem Artikel : "Das Familiengeheimnis kann zugleich über etwas Verschwiegenes und etwas, das zu wissen verboten ist, definiert werden." Es verhält sich nicht so, dass wir nicht alles in der Familie preisgeben wollen, vielmehr ist das Mitteilungsbedürfnis nicht gegeben beziehungsweise ist der Zeitpunkt nicht geeignet. In diesem Fall handelt es sich nicht um ein Familiengeheimnis.

Zu diesen beiden Elementen kommt ein drittes hinzu; dieses ist die Erinnerung an das Unausgesprochene, welches nicht bekannt sein darf und welches schmerzhaft für die Eltern ist. "In allen Fällen ist das Wichtigste, dass das Kind mit dem Eindruck aufwächst, dass ihm etwas Wichtiges – sowohl für es selbst als auch für seine Eltern – vorenthalten wird und ihm zudem die Rolle auferlegt wird, dies zum einen zu erraten und zum anderen sich so verhalten, als hätte es nichts bemerkt ! "Das Kind verspürt infolge des widersprüchlichen elterlichen Verhaltens, welches sich sowohl auf verbaler als auch auf nonverbaler Ebene äußert, ein Unwohlsein.

Wir können natürlich nicht alles aussprechen und mitteilen, eine authentische Verhaltensweise stellt jedoch das beste Mittel dar, einer pathogenen Situation, die durch ein Familiengeheimnis bewirkt werden könnte, vorzubeugen beziehungsweise entgegenzuwirken. Es ist ebenfalls notwendig zu verstehen, dass in dem Fall, dass ein Kind auf etwas Unausgesprochenem beharrt und dabei die Art des ihm Vorenthaltenen nicht einschätzen kann, seine natürliche Reaktion darin besteht, seine Vorstellungen ins Extreme zu treiben, was dazu führt, dass seine Ängste zusätzlich gefördert werden. Dies kann bspw. seinen Ausdruck in einem übersteigerten Sicherheitsbedürfnis des Kindes finden und kann zur Folge haben, dass es in übertriebenem Maße Kontrolle ausüben will.

Diese pathogenen Geheimnisse entstehen ebenfalls bzw. vor allem bei nicht "vollständig verarbeiteten" und noch nicht "verbalisierten und ausgesprochenen" Ereignissen und Traumata. Frappierend ist, dass diese Geheimnisse "immer partiell in Form von Gesten, Einstellungen und manchmal von in der Familie erzählten oder vorgezeigten Bildern symbolisiert wurden. Diese Symbolisierungen können sich auch durch Schweigen oder rätselhafte Vorschläge, Weinen oder unbegründete Wutanfälle beziehungsweise scheinbar banale Erzählungen oder Bilder, die jedoch beim betroffenen Elternteil Emotionen auslösen, die zunächst nicht nachvollziehbar sind, ausdrücken."

Der Elternteil, der eine traumatische Situation erlebt hat, ist aufgewühlt, wenn er an diese Situation zurückdenkt oder an diese erinnert wird, und kann die o.g. Reaktionen zeigen, sprich er weint oder ärgert sich, ist jedoch nicht imstande darüber zu sprechen. Demgegenüber befindet sich Kind aufgrund seines Unvermögens nachzuvollziehen und zu verstehen was vor sich geht und angesichts der Tatsache, dass niemand ihm die Vorgänge erklärt, in einer schwierigen Situation. Es bemerkt die meiste Zeit über, dass das Benehmen und die Verhaltensweise seines Elternteils im Widerspruch mit dessen Aussagen stehen und oft nicht der Situation angepasst sind. Diese diversen Formen des Durchsickerns eines Geheimnisses sind nicht kongruent und führen dazu, dass das Kind seine Auffassungsgabe und seine Gefühlserlebnisse infrage stellt und sich nicht darüber im Klaren ist "welchen Stellenwert es seinen Erlebnissen zuschreiben soll". Die Wahrnehmung von zukünftigen Gefühlen wird infolgedessen stark beeinflusst sein, da das Gefühlte und das Beobachtete aus der Perspektive des Kindes nicht mit dem übereinstimmen, was vom Elternteil ausgesprochen und bestätigt wird.

Die rationale Intelligenz dient demjenigen, der

Teil der Welt werden will,

demgegenüber die sensorische Intelligenz notwendig ist,

um sich nach dem Leben richten.

Henri Gougaud

Ein Kind, das also ein vor ihm verborgenes Leiden bei einem seiner Eltern bemerkt, kann drei verschiedene Verhaltensweisen zeigen:

  • Es kann sich vorstellen, dass es selbst für das Leiden des Elternteils verantwortlich ist und die Schuld für dessen Schmerz trägt und infolgedessen heftige Schuldgefühle entwickelt (Verhaltensweise des Kleinkindes, das sich gerne als Grund und Ursache dessen fühlt, was es von seiner Erwachsenenumgebung wahrnimmt)
  • Das herangewachsene Kind sucht die Schuld nicht mehr bei sich selbst, sondern bei den Eltern und verliert sein Vertrauen in diese und in die Erwachsenen, die ihm gegenüber eine autoritäre Funktion einnehmen, bspw. Lehrer, Erzieher und später die Vorgesetzten, ...
  • Es kann sogar dazu kommen, dass das Kind komplett sein Vertrauen in seine Wahrnehmungen und seine Fähigkeit, die Welt zu verstehen, verliert. Sein Selbstvertrauen und sein Selbstbewusstsein werden infolgedessen beträchtlich geschwächt.

Das Kind gerät dadurch in einen Zwiespalt, da es sich zwar bewusst ist, dass es ein Geheimnis gibt, es aber vermeiden muss, seine Eltern oder einen Elternteils mit den verbundenen Schmerzen zu konfrontieren und es sich also so verhalten muss, als gäbe es kein Geheimnis. Das Kind lernt dadurch, seine Gefühle und Gedanken zu verstecken und zieht sich oft in sich selbst zurück. Parallel dazu lernt das Kind, keine Fragen mehr zu schmerzhaften Themen zu stellen und stattdessen zu schweigen.

Im Erwachsenenalter wird es sich oft in Situationen wiederfinden, in denen es selbst Geheimnisse verbirgt. Angesichts der Tatsache, dass es die Geheimnisse seiner Kindheit nicht bewältigen kann, entwirft es seine eigenen Geheimnisse, die es selbst kontrollieren kann.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Eltern ihren Kindern gegenüber für sie schmerzhafte Situationen, die sie beschäftigen, erwähnen, ohne notgedrungen alle Details preiszugeben. Dadurch verhindern sie, dass das Kind sich für die Schmerzen seiner Eltern verantwortlich fühlt. Ihnen selbst erlaubt dies, sich daran zu gewöhnen und nach und nach die Kontrolle über ihre traumatischen Erlebnisse zu erlangen.

Es zu verstehen, über Sachen zu reden, von denen man weiß und es zugeben können, dass man verschiedene Sachen nicht weiß, ist ebenfalls eine gute Art, Kinder vor den negativen Auswirkungen zu schützen, die ein Geheimnis über mehrere Generationen zur Folge hat.

Auch kann das Kind durch das Gespräch – in einem langsamen Prozess – sein Selbstbewusstsein sowie sein Vertrauen in seine Wahrnehmung und seine Nächsten wiedergewinnen. Indem der Prozess eines Familiengeheimnisses ins Bewusstsein gehoben und die Kommunikation innerhalb der Familie gefördert wird, kann das Wiederholungsmuster für zukünftige Generationen verhindert werden. Ein Kind, das gelernt hat, sich zu verschließen und seine Gefühle zu verstecken und darüber hinaus ggf. seine Fähigkeiten gefördert hat, kann nun – in einem Prozess des Aufbauens und Stärkens seines Selbstvertrauens – erlernen, seine Gefühle, Bedürfnisse, Emotionen und Werte zu erkennen und zu identifizieren.